Warum diese Website?

Diese Seite ist aus dem Wunsch entstanden, Gedanken nicht einfach verschwinden zu lassen.
Sie sammelt Erinnerungen, Fragen, Beobachtungen und Themen, die mich mein Leben lang begleitet haben. Manches stammt aus meinem eigenen Leben, manches aus Geschichte, Gesellschaft und Zeit. Nicht alles verlangt nach einer endgültigen Antwort – manches nur nach Aufmerksamkeit.

Wenn ein Gedanke hier einen anderen Gedanken berührt, dann hat diese Seite ihren Sinn erfüllt. Sie ist kein Abschluss, sondern eine leise Einladung zum Mitdenken.

Und vielleicht auch ein kleines Vorbild für Familien, die ihre Kinder nicht nur mit bestem Willen, sondern auch mit den besten Erfahrungen und Erlebnissen ihrer Eltern und Großeltern aufziehen möchten.

Liebe Leserin, lieber Leser,

bevor Sie beginnen, diese Website zu lesen, möchte ich einiges kurz erklären. Zuerst zur Sprache, die hier benutzt wird. Das ist „mein“ Deutsch. 😊😂

Vor etwa 45 Jahren begann ich mit meinem Chemiestudium an der Technischen Universität Berlin. Davor hatte ich, beginnend am Goethe-Institut in West Berlin, rund zwei Jahre lang Deutsch gelernt. Durch das Studium und später durch zwei weitere intensive Ausbildungsjahre in der Schweiz entwickelte sich daraus ein solides Deutsch.

In den folgenden 35 Jahren lebte ich zwar nicht mehr in einem deutschsprachigen Raum, hatte aber immer wieder Gelegenheit, die Sprache zu benutzen – und ich habe sehr, sehr viel gelesen.

Mein Deutsch ist deshalb nicht immer ganz gewöhnlich. Viele komplexere Texte entstehen zunächst auf Türkisch, in der Sprache, in der ich Gedanken oft genauer und freier entwickeln kann. Künstliche Intelligenz nutze ich dabei als Werkzeug: für Recherche, grammatikalische Korrekturen, Analysen und Übersetzungen in beide Seiten. Die endgültige Fassung übernehme ich jedoch nicht ungeprüft. Wo mir eine Übersetzung zu glatt, zu fremd oder dem ursprünglichen Gedanken nicht genau genug erscheint, ändere ich sie.

Ich empfinde es als ein Privileg, mein Deutsch mit meinem guten Türkisch ergänzen zu können – einem Türkisch, das auch von meiner Familiengeschichte geprägt ist. Meine Familie kam in den 1920er-Jahren als Muhacir nach Istanbul – als Vertriebene aus dem griechischen Thrakien. Sie entstammt einer Tradition, in der Bildung, öffentlicher Dienst und gesellschaftliche Verantwortung einen hohen Stellenwert hatten; auch unter den Frauen gab es Beamtinnen in höheren Positionen und Lehrerinnen. Zu dieser Familiengeschichte gehört auch Hasan Tahsin, ein Onkel meines Großvaters, der in Izmir eine Zeitung herausgab und bei der griechischen Landung am 15 Mai 1919 den ersten Schuss abgab, bevor er kurz darauf getötet wurde.

Manchmal führt das auch zu ungewöhnlichen Formulierungen oder Begriffen. So entstand für mich beispielsweise das von mir „erfundenes“ Wort „Seinkönnen“, bevor ich erfuhr, dass dieser Begriff im Deutschen doch existiert. Oder, „verneinerisches Vorgehen.“ (Beitrag: Frauen!) 😂

Solche Momente bereiten mir eine gewisse Freude – und auch ein wenig Stolz.

Wer hier liest, sollte deshalb wissen: Obwohl ich mir im Umgang mit der deutschen Sprache manchmal gewisse Freiheiten erlaube und gelegentlich sogar eigene Wörter oder Wendungen forme, geschieht das nicht aus Geringschätzung, sondern gerade aus meiner großen Achtung vor dieser Sprache – und aus der Freiheit, die sie mir selbst gewährt.

Auch die Formulierung „verneinerisches Vorgehen“ habe ich lange geprüft und keinen überzeugenden Grund gefunden, weshalb ich sie nicht verwenden sollte. Deshalb hoffe ich, liebe Leserinnen und Leser, dass ihr mir solche sprachlichen Eigenheiten nachsehen werdet.

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