Mit vielen Erlebnisse und Hindernissen geht das Leben weiter. Es wird auch weitergehen. Bis es erst in der Stille ruhen wird! Erst nach vielen erfahrungsreichen Jahren und selbst beigebrachten Wissens sammeln sich die Lebenssteine in dem Bewusstsein des Menschen zusammen, die man nächste Generationen überreichen sollte. Leider ist das Bewusstsein, aus dem die Guten und die Schlechten willkürlich aufragen, nicht einfach hier aufzuklären. Und genau das ist der wahre Zweck dieser Website: Sie ist der Raum für all jene ungeschönten Gedanken und tiefen Lebenserfahrungen, die unmöglich in diesen einen kleinen Absatz passen würden, die ich aber unbedingt meinen Kindern hinterlassen möchte. Möge das Universum mir auf diesem Weg beistehen!

Ich bin Sarper Toparlak, und ich habe noch einen ersten Vornamen: „Abdurrahman“. Ein echter Witz, was ich in Europa jahrelang wegen dieses Namens in meinem Pass alles durchmachen musste! 🙂 Nein, versteht mich nicht falsch – damals gab es den Begriff „Islamophobie“ in Europa noch gar nicht. Der Name war einfach nur lang und schwer auszusprechen, das war’s.
Ich war ein Kind jener Zeit, als man Joghurt noch beim Joghurtverkäufer an der Tür kaufte und Milch beim Milchmann. Wir Kinder spielten alle auf der Straße. Wir waren regelrechte Straßenkinder! Unsere Umgebung war so sicher, dass unsere Mütter sich nicht einmal wunderten, wenn wir morgens rauskamen und mittags einfach so zum Essen auftauchten – oder erst zum Abendessen. Wo wir gesteckt haben? Fragte keiner. Aber wehe, wir hängten uns mit unseren Rollschuhen an die Pferdekutschen, stolperten im größten Nervenkitzel über einen Stein und kamen blutend nach Hause, um uns verarzten zu lassen – dann flog uns direkt der Hausschuh an den Kopf! 🙂
Mit 10, 12 Jahren, als alle Kinder aus dem Viertel zum Sport gingen, hatten meine Clique und ich eher einen rebellischen Geist. Wir trieben den ganzen Tag nur Unfug. Das Meer war nah. Wir sprangen von den Felsen, schwammen, sammelten Muscheln am Strand und brieten sie auf einem heißen Blech! Was für wunderbare Tage das waren.
Dann wurden wir älter, das Gymnasium begann. Da wir aus einer Textilfamilie stammten, schrieb ich mich „natürlich“ in der Textilberufsschule für Spinnerei ein. Nach der Schule gingen wir manschmal Billard spielen, an anderen Tagen trafen wir uns mit ein paar Freunden und philosophierten stundenlang. Hatte ich eigentlich erwähnt, dass meine Mutter eine Bibliothek mit Tausenden von Büchern hatte und ich, schon damals, wenn auch nicht alle, so doch Hunderte davon gelesen habe?
Im Sommer wurden unsere braunen Haare innerhalb weniger Wochen komplett blond gebleicht – und das blieb so bis zum Ende der Saison. Bevor die Schule wieder anfing, fielen sie alle beim Friseur. Tagsüber fuhren wir mit dem Ruderboot raus, machten Wetttauchen und klauten mit dem Boot Sonnenblumenköpfe vom Feld in der nächsten Bucht! Um den Mädchen zu imponieren, veranstalteten wir Wettrennen im Sand und unter Wasser. Es war auch keine Seltenheit, dass wir uns beim Fußballspielen gegenseitig verletzten. Und abends? Jeden Abend machten wir Lagerfeuer aus Holzbrettern, die wir tagsüber von den umliegenden Baustellen mitgehen ließen, und flirteten mit den Mädchen. Lieder wurden gesungen, Volkslieder angestimmt. Es war wunderschön…
Wir wurden noch älter. Die Aufnahmeprüfung für die Uni, die Reise nach Deutschland (West-Berlin), das Abenteuer Deutsch lernen, zwei Jahre Chemiestudium an der TU Berlin. Dann in der Schweiz, in Wattwil im Kanton St. Gallen, anderthalb Jahre Ausbildung zum Spinnerei- und Zwirnereitechniker an der Schweizerischen Textilfachschule. Dazu die „Fuchsierungs“- und „Burschierungs“-Abenteuer in der „Textilia“, jener Studentenverbindung, die 1666 an der Schule gegründet worden war.
Dann stand der Militärdienst vor der Tür und die Rückkehr in die Türkei. Nach 18 Monaten beim Militär stieg ich in unser Unterwäschegeschäft ein – drei Generationen, die zusammenarbeiteten. 1987 dann der erste IBM Tower (80286 Prozessor) und die Einrichtung unseres ersten UNIX-Netzwerks. Abends die Bars von Istanbul, die Nachtclubs, die Fischrestaurants. Lieben, Geliebte, Betrügen, Betrogenwerden. Dazwischen meine erste Ehe. Mein wunderbarer Hund “Dali” Deutsch-Kurzhaar. Ein intensives Berufsleben, Depressionen, meine Scheidung.
Nach der Scheidung Ausflüge mit großartigen Menschen, Alkohol, Frauen, Tauchreisen, verrückte Abenteuer auf 40 Metern Tiefe. Und dann dieses Abenteuer in Antalya, wo ich meine jetzige Frau kennenlernte. Morgens Skifahren in Saklıkent, nachmittags Küstentauchen in Kemer – inklusive Erbrechen auf 10 Metern Tiefe (doch nicht ertrunken). Abends beim Tanzen dann die erste Begegnung mit meiner wundervollen Frau Füsun. Am nächsten Tag zog ich sie im Köprülü Canyon auf ein gekentertes Rafting-Boot… und legte damit den Grundstein für unsere 31 gemeinsamen Jahre.
Zusammen wurden wir Drucker. Gleich nach der Geburt unseres ersten Sohnes nahmen wir ihn mit und gründeten gemeinsam eine Druckerei in Izmir. Anderthalb Jahre später scheiterten wir und kehrten nach Istanbul zurück. Ein paar Jahre danach kam unser zweiter Sohn zur Welt. Wir arbeiteten jahrelang hart, bemühten uns, unsere Kinder zu guten Menschen zu erziehen, und kamen schließlich in den 2020er Jahren an.
Ja, unsere Kinder, Derin und Yunus, sind sowohl gute Menschen als auch gute Sportler geworden. Im Flossenschwimmen und Pool-Apnoe haben sie unzählige nationale und internationale Erfolge gefeiert. Unser ältester Sohn hat durch eine Fügung des Schicksals vier Jahre lang in Italien studiert und trainiert. Nach seiner Rückkehr in die Türkei gewann er zahlreiche Welt- und Europamedaillen, darunter vier Weltmeister Titeln.
2016 ging ich in Rente. Nach vier sehr schweren und problematischen Jahren zu Hause machte ich mit 59 meinen Motorradführerschein. Gegen Ende der Corona-Zeit verkündete ich meiner Familie, dass ich mit dem Motorrad nach Europa fahren würde – woraufhin sie (vielleicht weil sie es als meine Rettung vor meinen eigenen Problemen sahen) ein regelrechtes Fest feierten. Mit meiner 250ccm Hyosung stürzte ich mich ins Europa-Abenteuer.
Werner und Barbara, bei denen ich einen Monat in Graz blieb, bin ich unendlich dankbar. Von dort ging es nach Berlin zu meiner damals noch lebenden Tante. Auf ihren Rat hin bewarb ich mich bei Druckereien in Österreich – und bekam meinen ersten Job bei der Samson Druckerei in St. Margarethen im Lungau.
Seitdem habe ich in der Lungau-Region meine Anker geworfen. Das Leben, das ich hier für mich, meinen Sohn Yunus und meine zwei Katzen aufgebaut habe, geht – wenn auch ab und zu mit kleinen Hürden – schön weiter. Meine Katzen sind jetzt 3 Jahre alt, Yunus hat sein Studium in Wien begonnen, und mein ältester Sohn Derin ist nach Izmir gezogen, um Cheftrainer einer Flossenschwimm-Mannschaft zu werden. Die Uni hat er in der Zwischenzeit hoffentlich auch abgeschlossen!
Letztendlich mache ich derzeit reichlich Motorradtouren mit meiner “Frau” (mehr meine beste Freundin) Füsun, die mich hier gerade besucht, und wir versuchen, es miteinander in einem Haus auszuhalten. 😂 Hatte ich eigentlich erwähnt, dass sie es vorgezogen hat – vielleicht aus guten Gründen – nicht zu mir zu ziehen, nachdem ich hierhergekommen bin? Was sehr interessant ist, dass ich mich damit shon längst abgefunden habe.
Also, so sieht mein Leben heute aus. Und ich wünsche mir, dass es so bleibt, solange meine Gesundheit es zulässt…